Ev. Kirchentag 2005 in Hannover - Veranstaltungsberichte und Hintergrundtexte
Können
Christen und Moslems ohne Krieg und
in Frieden miteinander leben?
Kürzlich
traf ich einen sudanesischen Freund, den ich fragte, ob Christen
harmonisch und in Frieden mit ihren moslemischen Nachbarn Seite an Seite
leben können. Er sagte mir, dass es möglich ist, so lange keine
fundamentalistischen Ideen und Vorstöße in die Gemeinschaft
hineingetragen würden. Er beklagte, dass der Krieg im Sudan ausgelöst
wurde, durch den Versuch der arabisch geführten Regierung, eine
islamische Nation auszurufen. Dieser Schritt wurde von den Christen im Süden
des Landes entschieden abgelehnt. Tausende Menschen wurden getötet und
Millionen vertrieben aufgrund dieses Disputes. Besitz im Wert von vielen
Millionen Euro wurde zerstört in 21 Jahren Religionskrieg. Mein Freund
beendete unsere Unterhaltung mit folgendem Zeugnis: "Mein guter Vater
wurde von Muslimen getötet, aber jetzt habe ich ihnen vergeben und freue
mich darauf zurückzukehren und ihnen von der Friedensliebe zu erzählen,
die ich in unserem Herrn Jesus Christus gefunden habe: Nicht zu hassen,
sich zu rächen oder zu töten, sondern zu lieben und zu vergeben durch
JESUS!"
Was für ein herrliches Zeugnis!
Geographische und politische Gegebenheiten
Indes, wenn ich die Frage "Können Christen harmonisch mit ihren
moslemischen Nachbarn Seite an Seite leben?" direkt beantworten soll,
kann ich diese bejahen, wobei es von Faktoren wie Kultur, Geschichte,
geographische Lage und politische Situation abhängig ist. Wir wissen,
dass z. B. Christen und Moslems in einigen Teilen Nigerias in Gemeinden
und auch in vielen anderen Regionen der Welt friedlich zusammen leben,
wenn auch in Nigeria über die Jahre einige Auseinandersetzungen zwischen
ihnen stattgefunden haben.
In Südafrika haben Christen und Moslems viele Jahre lang friedlich
miteinander gelebt und haben gelernt, sich gegenseitig zu respektieren.
Dies ist vor allem auffällig in der westlichen Kap-Region, wo der
Prozentsatz an Moslems gegenüber Christen in Kapstadt der höchste im
ganzen Land ist.
Unter zivilen Regeln und guter Regierung kann jades zivilisierte Land
leicht ein Klima schaffen, das zu friedlicher Koexistenz führt.
In Mombasa, Kenia, z. B. leben Moslems und Christen harmonisch zusammen
und tolerieren sich gegenseitig.
Begebenheiten und Schritte
Moslems sind sehr sensible Menschen, die das Verhalten von einzelnen
Personen, die unter ihnen leben, beobachten. Sie respektieren diese, wenn
ihr Lebensstill durch ihren Glauben geprägt ist. Christen, die unter
Moslems leben, müssen ihren Glauben ehrlich in ihrem Leben reflektieren,
wenn sie von Moslems akzeptiert werden wollen. Wenn aber ihre Handlungen
ihrem Glaubenssystem widersprechen, wird der Moslem das sofort merken und
das kann zu Spannungen und in größerem Rahmen zu Konflikten in der
Gesellschaft führen.
Lassen Sie mich schließen mit folgendem Beispiel aus einem afrikanischen
Land:
Mustafa erzählt: "Als kleines Kind war ich sehr krank. Ich
verweigerte die Muttermilch. Meine Mutter versuchte alles, um mich dazu zu
bewegen, von ihrer Brust zu trinken, aber zu ihrem Kummer verweigerte ich
es stets. Meine Mutter brachte viele muslimische Frauen herbei,
Nachbarinnen und Verwandte, die versuchten mich zu stillen. Aber ich wies
alle zurück und wurde schwächer und schwächer. Ich war nur um
Haaresbreite vom Tod entfernt und meine Mutter hielt mich weinend auf
ihrem Schoß. Jeder Versuch, mich zu stillen, scheiterte, ich weigerte
mich beharrlich, von einer Moslemfrau zu trinken.
Dann kam eines Tages unsere christliche Nachbarin, Omm Williams, um sich
nach mir zu erkundigen. Als sie hörte, wie krank ich war, sagte Omm
Williams: "Mein Sohn William ist am gleichen Tag geboren wie Dein
Sohn Mustafa. Ich habe noch genug Milch für beide. Hier, gib mir Mustafa,
vielleicht wird er meine Milch nehmen."
Meine Mutter setzte mich auf Omm Williams Schoß. Bevor Omm William mir
ihre Brust gab, flüsterte sie: "Im Namen Jesu Christi". In
diesem Moment schrie ich heftig auf. Meine Mutter, die das mitbekam, began
zu zittern. Sie tadelte Omm William heftig für ihre Worte: "Was für
eine Blasphemie, was für eine Abtrünnigkeit". Aber nachdem sie
diese Worte geäußert hatte, war sie sprachlos. Ungläubig sah sie zu,
wie mein Mund Omm Williams Brust suchte. Ich trank, bis ich ganz satt war,
dann schlief ich ganz zufrieden ein auf Omm Williams Schoß. Erleichtert
bedeckte meine Mutter Omm Williams Gesicht mit Küssen. Als mein Vater
kam, erklärte meine Mutter ihm die Situation. Mein Vater entschied, dass
Omm William mich jetzt täglich stillen sollte."
Nachdem Mustafa viele Jahre in seiner Gemeinde fanatische Ideen in die Tat
umgesetzt hatte, hat er persönlich die Liebe und Vergebung Jesu Christi
erfahren und IHM sein Leben übergeben. Er dient jetzt dem Herrn. Ja, in
der Tat, die Liebe Jesu überwindet alles.
Nicht hassen, sich rächen oder töten, sondern lieben und vergeben um
Jesu willen!
Was für ein wunderbares Zeugnis!
Aber zum Schluss muss ich leider sagen: "Es kann der Frommste nicht
im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt."
Gebet ist der Schlüssel!!!
Rev.
Stephen Boakye-Yiadom, TWR International Director - Africa
