zuletzt aktualisiert: 07.09.2006
Initiative Kirche von unten

Cornelius Schmidt

    

Gedanken zur Wahl des neuen Papstes


Eine 65-cm-Schlagzeile über einem Formatfüllenden Farbfoto auf der Titelseite des meistgedruckten deutschen Boulevardblattes verkündete stolz: "Wir sind Papst!" Eine bekannte Berliner Tageszeitung erschien dagegen mit einer komplett geschwärzten ersten Seite, auf der nur drei Worte fett gedruckt waren: "Oh, mein Gott!" So unterschiedlich fallen Reaktionen auf den Regierungswechsel im Kirchenstaat aus. Der Begriff "konservativ" beherrscht fast alle Stellungnahmen. Die wahlberechtigten Kardinäle hoffen offensichtlich, dass es in ihrer vatikanischen Zentrale so weiter gehe wie bisher. Viele römisch-katholische (aber auch andere) Gläubige, die dem Geschehen nur mehr oder weniger tatenlos zuschauen können, befürchten jedoch genau das.

Konservativ heißt auf Deutsch: bewahrend. Konserven sind eine überaus nützliche Erfindung. Man kann Lebensmittel, die sonst verderben würden, lange Zeit aufbewahren. Aber für Christinnen und Christen geht es ja um wesentlich mehr, nämlich die gemeinsame Lebens-Mitte zu bewahren. Nicht irgendwelche Traditionen des Mittelalters, sondern den Ursprung, Jesus Christus, die sichtbar gewordene Liebe des unsichtbaren Gottes. Und da beschreibt die Bibel absolut eindeutig, was diese Liebe ausmacht. Menschen können miteinander teilen und nicht einander verurteilen. Sie sollen sich selbst beherrschen lernen und nicht andere beherrschen. Im Namen Gottes dürfen keine willkürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau, reich und arm, mächtig und ohnmächtig gemacht werden.

Das Neue Testament berichtet ausdrücklich, dass für Jesus Nationalität, Geschlecht, Macht und Bankkonto seiner Mitmenschen keinerlei Rolle spielten. Er hatte das Einkommen eines kleinen Handwerkers und besaß keinerlei Vermögen. Er half persönlich immer wieder Schwerkranken und Notleidenden. Er akzeptierte Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen und bewies selber praktische Solidarität auch mit anderen gesellschaftlich Diskriminierten. Wer dies bewahren will und deshalb so wie Jesus handelt, der wäre konservativ im besten Sinne des Wortes. Schau’n wir mal…

Cornelius Schmidt ist Pfarrer der alt-katholischen Kirchengemeinde "Erscheinung Christi" in Krefeld und Sprecher der IKvu-Mitgliedsgruppe "Arbeitskreis ALTernativer Katholizismus".