Ökumenische Gemeinde(bildung) - Carl-Peter Klusmann
Ökumenische Gemeinden - eine Chance?
Ökumene, das ist ein Thema von Pfarrern und Theologen, zwischen Papst und den Oberen der anderen Kirchen. So scheint es. In Wirklichkeit geht es vor allem um das Zusammenleben von Christenmenschen am jeweiligen Ort! Die Frage nach "ökumenischen Gemeinden" wird seit längerer Zeit in der "Initiative Kirche von unten" (IKvu) und einigen ihrer Mitgliedsgruppen diskutiert (vgl. Seidler/Steiner, Kirche lebt von unten, Erfahrungen aus 20 Jahren IKvu, S. 144ff). Das Thema wurde auch für den Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin vorgeschlagen. Was ist damit gemeint?
- Hintergrund dieses Themas ist die Erfahrung, dass zunehmend Christen in einer Gemeinde der anderen Konfession ihre "geistliche Heimat" suchen, vor allem, wenn ohnehin andere Mitglieder einer konfessionsverschiedenen Familie dieser Gemeinde angehören.
- In der Diaspora stellt sich unsere Frage nach ökumenischen Gemeinden verschärft. Dort kann es sinnvoll sein, wenn sich am Sonntag christliche Gemeinden als solche zusammenfinden und die jeweilige Minderheit dabei eingeladen wird ohne "vereinnahmt" zu werden.
- Zunehmend leben wir als Christen beider Konfessionen überall in einer gemeinsamen gesellschaftlichen Diaspora. Ohne den in Gemeinschaft gelebten Glauben würde sich auf die Dauer eine religiöse Entwurzelung ausbreiten.
Folgende Gesichtspunkte sollen das Gespräch über ökumenische Gemeinden anregen helfen. Dabei geht es nicht um die Schaffung neuer Gemeinden "auf der grünen Wiese". Das führte nur zu einer "dritten Konfession", das Gegenteil einer wachsenden Einheit unter den Christen.
Es geht um eine ökumenische Öffnung bestehender Gemeinden,
dass sie "Wahlgemeinde" für andere werden können.
Auf dem Papier gehört jeder Kirchensteuerzahler zu einer "Pfarrei". Ob er (oder sie) dort seinen christlichen Glauben wirklich leben kann, ob er sich dort "zu Hause" fühlt? Oft sind Christen "Gäste" einer Gemeinde der anderen Konfession bzw. pendeln zwischen den Gemeinden, meist aus persönlichen Gründen.
Wir schlagen vor, diese Frage genauer zu untersuchen und zu klären. Damit könnte wahrscheinlich vielen geholfen werden.
Manche sind ihrer "Heimatgemeinde" fremd geworden.
Sie haben aber Kontakt zu einer Gemeinde "mit dem anderen Gebetbuch".
- Werden sie dort nur als einzelne mehr oder weniger toleriert, oder gehören sie wirklich dazu? Können sie ihre Zugehörigkeit irgendwie zum Ausdruck bringen?
- Müssen sie damit rechnen, auf Vorbehalte zu stoßen? Hält man ihnen Gewohnheiten vor, die sie mitgebracht haben?
- Wird versucht, die andere Konfession zu verstehen und ihr gerecht zu werden?
- Suchen diese Gemeinden Kontakt, Austausch und ökumenische Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden?
- Sind Vorkehrungen getroffen, dass auch die "Gäste" alle Informationen wie andere Gemeindeangehörige erhalten?
- Geraten sie manchmal in Verlegenheit, weil sie nicht immer dabei waren? Spüren sie irgendwelchen Druck, zu der anderen Konfession zu konvertieren?
- Können sie bei jeder Gelegenheit (z.B. Feier der Sakramente) vollberechtigt teilnehmen, oder gibt es dabei Grenzen?
- Welche Funktionen können sie auf Wunsch oder durch Wahl übernehmen? Können sie Mitglied in allen Gremien werden?
- Spielen finanzielle Fragen eine Rolle?
Andere Gemeinden öffnen sich füreinander. Die ökumenische Zusammenarbeit prägt das Gemeindeleben so sehr, dass sich deren Angehörige in beiden Gemeinden zu Hause fühlen.
- Manche kennen von ihren Aktivitäten in der "Partnergemeinde" ebenso viel oder gar noch mehr Leute als in der "eigenen" Gemeinde.
- Durch einen Glücksfall arbeiten die Pfarrer beider Seiten eng zusammen.
- Die Zusammenarbeit bleibt bestehen, auch wenn ein neuer Pfarrer vielleicht nicht mit gleicher Energie die Ökumene fördert wie sein Vorgänger. Die Gemeindeangehöreigen sagen: "Das ist unsere Sache!"
- Pfarrgemeinderat und Presbyterium haben dafür gesorgt, dass ein "Partnerschaftsvertrag" abgeschlossen wurde. Die Gemeinden wachsen weiter zusammen, auch wenn einzelne Personen wechseln.
- Wenn die Beteiligten zögern, solche "Partnerschaftsverträge" abzuschließen: Vielleicht hilft es, sich auf das "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" (ZdK) zu berufen. Das hat in seiner Erklärung "Ermutigung zur Ökumene" solche Verträge "auf dem Weg zum ökumenischen Kirchentag" empfohlen
Immer weniger Gemeinden haben einen eigenen Pfarrer. Wird der Sonntag bald ohne Gottesdienst, der Ort bald ohne christliche Gruppen oder eine Gemeinde sein?
- Sollte man nicht dort am Sonntag zusammenkommen, wo am ehesten noch ein christlicher Gottesdienst zustande kommt?
- Könnten nicht etliche anderer Aktivitäten gemeinsam unter dem Dach jeweils einer Gemeinde stattfinden?
Kontaktadresse
für Rückfragen:
"Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in
Deutschland" (AGP),
c/o Carl-Peter Klusmann, Dudenstraße 9, 44137 Dortmund,
Telefon: 0231-147303, Telefax: 2866505,
E-mail: cp.klusmann[at]dokom.net
