KOMMENTAR
Mit denen nicht – Der zweite ÖKT vom Schlussgottesdienst aus
gesehen
Während etwa zwei Stunden vor Beginn des
Schlussgottesdienstes die ersten ÖKT-TeilnehmerInnen auf der
Theresienswiese einfanden, fiel manchen eine ungewöhnliche Häufung von
Nobel-Carossen an der Kirche St. Paul unweit der Theresienwiese auf. Hier
parkten die Dienstwagen der römisch-katholischen Bischöfe, die drinnen
eine exklusive heilige Messe feierten. Eine konsequente Entscheidung –
insofern, als dass man (es geht ja hier nur um Männer) den
Schlussgottesdienst durch Verweigerung des gemeinsamen Abendmahles zur
Wortandacht degradiert hatte. Vielleicht sollte
der Kirchenbau nach dem doch recht unruhigen ÖKT auch eine Oase
sein. Zumindest musste man sich in der Weihrauch-geschwängerten Atmosphäre
nicht mit Betroffenen sexualisierter Gewalt auseinander setzen, und das
unbotmäßige Kirchenvolk störte auch nicht bei der Eucharistie.
Während die Bischöfe nun also schon vorab feierten, trotzte das Kirchenvolk auf der Theresienwiese der Witterung. In den vergangenen Tagen waren trotz mancher organisatorischer Pannen und Beschränkungen durch das ÖKT-Präsidium zahllose wertvolle Erlebnisse möglich. Die Ökumene der persönlichen Begegnung, des guten Miteinanders ließ sich niemand verderben – der ÖKT lebt!.
Auch die orthodoxe Vesper am Freitag hatte sich tatsächlich
eher als Geschenk denn als Placebo erwiesen. Denn, so meinten viele
Teilnehmer, wenn denn Tischgemeinschaft möglich sei, dann sollte doch auch
Abendmahlsgemeinschaft möglich sein. Und so fanden nicht wenige von der
Vesper zur (inoffiziellen) Menschenkette, mit der zahlreiche ÖKT-TeilnehmerInnen
eindrucksvoll für ein gemeinsames Abendmahl Stellung bezogen.
Auch wenn nach diesem ÖKT wohl niemand einen besonders anspruchsvollen Schlussgottesdienst erwartet hatte – das ließ schon die statische, Fernseher-gerechte Liturgie nicht zu – gab es doch unangenehme Überraschungen. Die ökumenisch ausgewogenen Predigtimpulse hielten weitgehend Allgemeinplätze bereit, auch wenn hier und dort Hoffnungszeichen gesetzt wurden.
Für Gemeinschaftsaktionen war kaum Gelegenheit – und
seien sie noch so unprovokant, wie der persönliche Segenszuspruch vom 1. ÖKT.
Nach mangelnder Bewegung durchgefroren, dürften etliche TeilnehmerInnen
sich eher als Statisten einer sakralen Fernsehshow, aber nicht als Teil
einer Gemeinde gefühlt haben. Auch den von den ÖKT-Präsidenten
deklamierten „neuen Aufbruch“ mochte mensch (hier geht es um
Frauen und Männer) nicht so recht glauben, hatten doch die Herren Nagel und
Glück vor nicht so langer Zeit den ÖKT-TeilnehmerInnen ängstlich
aufgetragen, die „gültigen Regeln“ beim Abendmahl einzuhalten,
gleichsam die Ökumene selbst auszubremsen.
Es bleibt aber doch zu hoffen (oder zu fürchten, je
nach Perspektive), dass der „neue Aufbruch“ doch Wirklichkeit wird: Denn
neben der Sehnsucht nach charismatischeren Kirchenoberen a lá Margot Käßmann
mischte sich im Schlussgottesdienst die ökumenische
Einsicht, dass mit „denen“ - manchen Kirchenoberen – Ökumene
und Kirche nicht zu machen ist. Das kaum noch getrennte Kirchenvolk erfährt
ökumenische Inspiration nur von „ganz oben“ und in der persönlichen
Begegnung. Nicht aber von den getrennten Amtskirchen, die wortreich
bestimmen wollen, was auf dem ÖKT stattfindet – und doch so sprachlos
geworden sind.
Sebastian Dittrich ist Mitglied im Leitungsteam der IKvu.
