zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
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Grußwort von Peter Bürger


Glückwünsche und andere Wünsche zum 25jährigen Weg der Initiative "Kirche von unten"

Kirchlich induzierte Magenschmerzen sind der Gesundheit abträglich und der Freude am Christsein auch. Kirchengeschädigte blockieren nicht selten mit ihren „Altlasten“ vielversprechende Begegnungen von Menschen, die neue Christenwege für Gegenwart und Zukunft suchen. Viele kritische Christen lösen Probleme dieser Art, indem sie das Thema „Amtskirche“ ein für allemal zu den Akten legen. Doch wer bleibt dann für ein kirchenpolitisches Engagement zurück? Die IKvu und die durch sie vernetzten Initiativen nehmen einen unkomfortablen Platz ein – zwischen den Stühlen des amtlichen Apparates und der emanzipierten „kirchenfreien“ Christen. Für ihre undankbare Arbeit hat sie nach einem Vierteljahrhundert ein großes „Dankeschön“ verdient.

Ich schätze die Bandbreite der IKvu, ihre ökumenische und weltkirchliche Orientierung. Der Verketzerung befreiungstheologischer und tiefenpsychologischer Ansätze hat sie sich gleichermaßen widersetzt. Die Treue zu einer politisch wachen Theologie hat sie gehalten, als viele einstige Mitgefährten schon längst im „neoliberalen“ Zeitalter sesshaft geworden waren. Die Sorge um kirchenkritische Anliegen – von der Sexualethik bis hin zu den Frauenrechten – hat in ihr nie dazu geführt, sich auf eine kirchenreformerische – peinliche – Nabelschau zurückzuziehen. Herzlichsten Glückwunsch!

Zwei Wünsche für den weiteren Weg möchte ich formulieren:

Die friedenspolitische Zurückhaltung der beiden Großkirchen gehört für mich derzeit zu den schmerzlichsten Befunden. Militärdoktrinen mit wirtschaftlichen Interessensvorgaben und Nuklearstrategien (mit Erstschlagoptionen) widersprechen dem Grundkonsens der weltkirchlichen Ökumene. Das muss nicht erst in langen friedensethischen Traktaten ermittelt werden. Der Widerspruch zur Politik der NATO, Europas und Deutschlands betrifft nicht mehr unterschiedliche Anschauungen über Wege der „Friedenssicherung“, sondern die neuen Zielvorgaben des Militärischen. Die IKvu sollte mithelfen, die Kirchen eiligst wachzurütteln. Nachdem der deutsche Nationalkirchengeist in beiden Konfessionen der Weltchristenheit in zwei Weltkriegen die größten Schandflecke bereitet hat, kommt dem Thema der Remilitarisierung höchste Dringlichkeit zu.

Für die Zukunft einer „Kirche von unten“ erträume ich mir ein breites Netz ökumenischer Basisgemeinden: Werkstätten für ein neues Christsein, fromm, musikalisch und politisch engagiert, mystisch und aufgeklärt, auf den Einzelnen, den nahen Ort und die globale Ökumene schauend ... Diese experimentellen „provisorischen“ Gemeinden sollten keine neuen Kirchengründungen sein. Sie dürften nicht aus Kirchenkritik und Abgrenzung zu den Großkirchen ihren Weg entwickeln. Wer einer Amtskirche angehört, sollte sich nicht von ihr trennen müssen. Wer keiner Kirche angehört, wäre ebenfalls willkommen. Zu gewährleisten ist in dieser Vision allerdings, dass auf allen Ebenen Abhängigkeiten und amtskirchliche Einflussnahmen (bzw. Erpressungen) ausgeschlossen bleiben. Ein solcher Kirchenweg von unten scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein, den kirchensteuerfinanzierten Erhaltungsapparat aufzubrechen und glaubwürdige Räume für suchende Jugendliche zu bereiten. Fromme Träume dieser Art, viel Verstand und einen womöglich heiteren Glauben wünsche ich der Ikvu-Bewegung.

Peter Bürger, katholischer Theologe und Publizist