zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
home

Grußwort von Matthias Drobinski


Grußwort zum 25jährigen der IKvu

Ja, herzlichen Glückwunsch, liebe Ikvu! 25 Jahre sind ein schönes Alter, wenn man bedenkt, wie wenig Geld hinter Dir steht (wir duzen uns doch, wo wir uns doch so lange schon kennen?) und wie klein manchmal das Häuflein der Aufrechten geworden ist, das sich immer wieder unverdrossen und voller Engagement für Dich in jede mögliche Bresche schmeißt.

Du hat in dem Vierteljahrhundert, in dem es Dich gibt, viel bewirkt, liebe Kirche von unten. Hast bewegende Alternativ-Katholikentage organisiert, als das Zentralkomitee der deutschen Katholiken noch nichts von Hans Küng wissen wollte, nichts von der Friedens- und Ökologiebewegung und nichts von der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, naja, da vielleicht ein bisschen, hinten links, wo die kirchlichen Hilfswerke ihre Stände hatten. Du bist zur Heimat geworden für die Lesben und Schwulen, die ihre Partner lieben und trotzdem Teil der katholischen Kirche sein wollen, für die verheirateten Priester und ihre Familien, für die vom Zölibat betroffenen Frauen, die Kirchensteuerkritiker und Ökumene-Drängler, die Frauenbewegten. Für alle also, die eher am Rande ihrer Kirche stehen und sich trotzdem Gott genauso nahe fühlen wie jene, die sich im Zentrum sehen (oder wähnen). In den Köpfen Deiner Freunde wachsen die Visionen, die der etablierten Kirche oft fehlen; manchmal leider wachsen sie nicht, sondern wuchern. Doch alles in allem müssten fünf Jahre Engagement in der IKvu tausend Jahre Fegefeuer ersparen (wenn der Gedanke sich nicht aus aufgeklärt-theologischer Sicht verböte).

In den vergangenen Jahren ist es trotzdem ruhig geworden um Dich, liebe IKvu. Die Konflikte, die Du kämpftest, sind weitergewandert; der, auf den so viele Deiner Pressemitteilungen zielten, ist inzwischen Papst, und es ist irgendwie uncool geworden, ihn anzuschießen. Du bist älter geworden, und der flammende Protest von einst hat sich zur Klage gewandelt, zur viel zu oft gesungenen Melodie in Moll. Du nennst Dich Basisbewegung und ahnst doch, dass die katholische Kirchenbasis ganz anders aussieht als eine Konferenz der Kirche von unten, und vielleicht geht es Dir manchmal so wie mir: Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, wenn zu Ostern Papst Benedikt XVI. sich auf den Balkon übe dem Petersplatz stellen und verkünden würde, dass alles, woran wir uns so ein katholisches Leben lang gerieben haben, abgeschafft wäre. Wir würden erst einmal alle ganz schön erschrecken, glaube ich.

In diesem Sinne: Bleib tapfer, liebe IKvu! Sei, werde fröhlich! Verdrieße nicht, denn erst der Humor macht den Glauben menschlich. Und bewahre Deine Prophetengabe, der Talent zum Drängeln. Egal, wie realisierbar oder realistisch jede Idee sein mag: Ideen gibt es nie genug.

Dein Matthias

Matthias Drobinski, Redakteur der Süddeutschen Zeitung