Grußwort von Matthias Drobinski
Grußwort zum 25jährigen der IKvu
Ja,
herzlichen Glückwunsch, liebe Ikvu! 25 Jahre sind ein schönes Alter, wenn man
bedenkt, wie wenig Geld hinter Dir steht (wir duzen uns doch, wo wir uns doch so
lange schon kennen?) und wie klein manchmal das Häuflein der Aufrechten
geworden ist, das sich immer wieder unverdrossen und voller Engagement für Dich
in jede mögliche Bresche schmeißt.
Du
hat in dem Vierteljahrhundert, in dem es Dich gibt, viel bewirkt, liebe Kirche
von unten. Hast bewegende Alternativ-Katholikentage organisiert, als das
Zentralkomitee der deutschen Katholiken noch nichts von Hans Küng wissen
wollte, nichts von der Friedens- und Ökologiebewegung und nichts von der
lateinamerikanischen Befreiungstheologie, naja, da vielleicht ein bisschen,
hinten links, wo die kirchlichen Hilfswerke ihre Stände hatten. Du bist zur
Heimat geworden für die Lesben und Schwulen, die ihre Partner lieben und
trotzdem Teil der katholischen Kirche sein wollen, für die verheirateten
Priester und ihre Familien, für die vom Zölibat betroffenen Frauen, die
Kirchensteuerkritiker und Ökumene-Drängler, die Frauenbewegten. Für alle
also, die eher am Rande ihrer Kirche stehen und sich trotzdem Gott genauso nahe
fühlen wie jene, die sich im Zentrum sehen (oder wähnen). In den Köpfen
Deiner Freunde wachsen die Visionen, die der etablierten Kirche oft fehlen;
manchmal leider wachsen sie nicht, sondern wuchern. Doch alles in allem müssten
fünf Jahre Engagement in der IKvu tausend Jahre Fegefeuer ersparen (wenn der
Gedanke sich nicht aus aufgeklärt-theologischer Sicht verböte).
In
den vergangenen Jahren ist es trotzdem ruhig geworden um Dich, liebe IKvu. Die
Konflikte, die Du kämpftest, sind weitergewandert; der, auf den so viele Deiner
Pressemitteilungen zielten, ist inzwischen Papst, und es ist irgendwie uncool
geworden, ihn anzuschießen. Du bist älter geworden, und der flammende Protest
von einst hat sich zur Klage gewandelt, zur viel zu oft gesungenen Melodie in
Moll. Du nennst Dich Basisbewegung und ahnst doch, dass die katholische
Kirchenbasis ganz anders aussieht als eine Konferenz der Kirche von unten, und
vielleicht geht es Dir manchmal so wie mir: Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre,
wenn zu Ostern Papst Benedikt XVI. sich auf den Balkon übe dem Petersplatz
stellen und verkünden würde, dass alles, woran wir uns so ein katholisches
Leben lang gerieben haben, abgeschafft wäre. Wir würden erst einmal alle ganz
schön erschrecken, glaube ich.
In
diesem Sinne: Bleib tapfer, liebe IKvu! Sei, werde fröhlich! Verdrieße nicht,
denn erst der Humor macht den Glauben menschlich. Und bewahre Deine
Prophetengabe, der Talent zum Drängeln. Egal, wie realisierbar oder realistisch
jede Idee sein mag: Ideen gibt es nie genug.
Dein Matthias
Matthias Drobinski, Redakteur der Süddeutschen Zeitung
