Pressemitteilung 04 vom 24.04.2008
+ + + Pressemitteilung des Ökumenischen Netzwerkes Initiative
Kirche von unten 04-2008 + + +
IKvu zum neuesten Verdacht sexueller Gewalt im Erzbistum Hamburg. Leitlinien
zu sexueller Gewalt in der Kirche genügen nicht. Diskussion auf dem
Katholikentag in Osnabrück.
Frankfurt/Main, den 24. April 2008.
Das "Hamburger Abendblatt" berichtet in seiner heutigen Ausgabe über einen neuen Verdacht sexueller Gewalt an Ministranten: Gegen einen in Hamburg tätigen römisch-katholischen Priester wurde Strafanzeige erstattet. Die Vorwürfe beziehen sich auf Briefe aus den Jahren 1999 und 2000. Der Hamburger Erzbischof Dr. Werner Thissen nahm dazu in einem Brief heute Stellung.
"Sollte der Verdacht begründet sein, wirft das naheliegende Fragen auf.", so Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der IKvu. "Warum erfährt die Kirchenleitung erst jetzt und aus der Presse von den Vorwürfen? Stimmt das überhaupt? Und was sagt dies über die Sensibilisierung für das Thema Sexuelle Gewalt in der Kirche aus? Ganz offensichtlich funktionieren die Leitlinien der Bischofskonferenz vom Herbst 2002 nur äußerst unzureichend."
Das Ökumenische Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu) fordert zum wiederholten Mal eine deutliche Korrektur der "Leitlinien":
1.. Eine verbindliche Regelung für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz.
2.. Die Einrichtung eines bundesweiten Gremiums zur Erarbeitung und Umsetzung neuer Richtlinien, besetzt mit VertreterInnen der MinistrantInnenarbeit, der Jugendverbände, der Diözesanräte, der Kirchenleitungen und mit unabhängigen Sachverständigen.
3.. Die Abkehr von der täterorientierten Ausrichtung der "Leitlinien" und Hinwendung zu einer inhaltlich präzisen und verbindlichen opferorientierten Perspektive der kirchlichen Regelungen.
4.. Die Einführung "unabhängiger Ombudsstellen" als Anwälte der Opfer anstelle der "diözesanen Beauftragten", um Einflussnahme und Parteilichkeit auszuschließen, und zwar in Kooperation mit kirchlich unabhängigen Beratungseinrichtungen.
5.. Der qualifizierter Ausbau und die umfangreiche Förderung einer Präventionsarbeit
auf allen kirchlichen Ebenen, insbesondere in der Priesterausbildung, der
Gemeindearbeit und MinistrantInnenarbeit sowie die Aus- und Weiterbildung
kirchlicher MitarbeiterInnen.
6.. Dies schließt die Förderung von qualifizierter insbesondere
jugendverbandlicher Arbeit zum Thema sexuelle Gewalt mit ein: Mädchen und
Jungen stark zu machen, "Nein!" zu sagen.
7.. Die Entschädigung von Opfern sexueller Gewalt ist noch immer nicht geklärt. Die Möglichkeit "finanzieller Unterstützung therapeutischer Maßnahmen im Einzelfall" (Leitlinien 8) ist ein Almosen und verkennt völlig die Situation der Betroffenen.
8.. Die Verantwortung der Diözesanbischöfe - auch für in der
Vergangenheit "intern geregelte" Fälle - muss endlich geregelt
werden. Dies betrifft insbesondere den Straftatbestand der Strafvereitelung.
HINWEIS:
Während des Katholikentages in Osnabrück wird die IKvu am 23. Mai mit dem Hamburger Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke, der DPSG-Bundesvorsitzenden Ute Theisen u.a. das Thema Sexuelle Gewalt in der Kirche unter dem Motto "Das Schweigen brechen" diskutieren.
Bernd Hans Göhrig,
Bundesgeschäftsführer
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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38
Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der
Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der
Befreiungstheologie.
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Kontakt:
Bernd Hans Göhrig
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email: presse@ikvu.de
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