Pressemitteilung 08 vom 23.05.2008
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Weihbischof Jaschke: „Wir dürfen
nicht schweigen!“ - Sexuelle Gewalt als Katholikentagsthema.
Unterschriftenliste für die Bischofskonferenz.
Katholikentag / Osnabrück 23.05.08
Premiere auf einem Katholikentag: Am heutigen Freitagmittag kam das
Tabu-Thema „Sexuelle Gewalt“ zum ersten Mal auf einem Katholikentag in
der Lutherkirche zur Sprache, veranstaltet von der IKvu. Die Diskussion war
äußerst lebhaft, sehr intensiv und nah am Thema.
NORBERT DENEF wurde als Jugendlicher Opfer von sexueller Gewalt und kann
nach Jahren der Sprachlosigkeit inzwischen darüber sprechen.
Dr. HANS-JOCHEN JASCHKE ist Weihbischof im Erzbistum Hamburg, wo vor 4
Wochen der jüngste Verdachtsfall publik wurde.
UTE THEISEN vertrat mit der DPSG den größten katholischen
Jugendverband, der immer wieder mit Fällen konfrontiert ist.
Prof. Dr. MECHTHILD WOLFF erforscht sexuelle Gewalt in hierarchischen
Institutionen.
BERND HANS GÖHRIG (IKvu) fordert seit Jahren eine professionelle Präventionsstrategie
und Sensibilisierung für das Thema innerhalb der Kirche.
Norbert DENEF berichtete seine Erfahrungen mit den Bistümern Magdeburg
und Limburg, in deren Zuständigkeit die Ahndung seines Falles gefallen sei.
Der Umgang mit ihm sei skandalös gewesen, vor allem sei es darum gegangen,
das Geschehene zu vertuschen: „Mir wurden 25.000 Euro als Schweigegeld
angeboten – da wußte ich: Ich werde nie wieder schweigen.“
Er wies auf seine Petition im Deutschen Bundestag hin mit dem Ziel, die
Verjährungsfrist im Zivilrecht aufzuheben und überreichte Weihbischof
Jaschke eine Unterschriftenblatt für seine Kollegen in der
Bischofskonferenz.
Weihbischof JASCHKE war als Vetreter der Bischofskonferenz Adressat
zahlreicher zum Teil heftiger Vorwürfe, doch er betonte mehrmals: „Das
Schweigen ist nicht der richtige Weg! Ich stehe voll zum Thema dieser
Veranstaltung – wir dürfen nicht schweigen. Der Vatikan ist
elektrisiert“, in jedem Verdachtsfall müsse der zuständige Bischof nach
Rom berichten, um die Gefahr von Vertuschungen zu verringern. Ein erstes
Ergebnis der Bemühungen seien die „Leitlinien“ der Bischofskonferenz
von 2002, die sicher erst auf äußeren Druck und zu spät gekommen seien
und durchaus verbesserungswürdig seien. Er betonte: „Ohne Druck geht es
nicht.“
Ute THEISEN berichtete vom Umgang mit dem Thema im Jugendverband: „In
der DPSG wird darüber nicht geschwiegen. Täter dürfen nicht mehr
mitmachen, da gibt es kein Pardon.“ Es sei das zentrale Anliegen der Verbände,
Kinder und Jugendliche stark zu machen, auch NEIN ! sagen zu können und
dies gelinge sehr gut.
Mechthild WOLFF wies darauf hin, daß sexuelle Gewalt nicht nur in Großorganisationen
vorkomme, sondern insbesondere in Institutionen, die sich ihrem Selbstverständnis
nach als gut, gerecht und liebevoll darstellen. Insofern seien auch die
Kirchen besonders anfällig.
Bernd Hans GÖHRIG zeigte die Lücken der „Leitlinien“ auf: Sie seien
natürlich aus Sicht der hierarchischen und autoritären Institution Kirche
verfaßt. Nachgebessert werden müßte etwa bei der Unabhängigkeit der
vorgesehenen Experten. „Die mangelnde Professionalität im Umgang mit dem
Thema ist einfach peinlich. Letztlich steht die Struktur dieser Kirche einem
angemessenen, opferorientierten Umgang im Weg.“
Das Programm der IKvu im gemeinsamen Zentrum von Leserinitiative Publik
e.V., Ökumenischer Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V. und IKvu in
der Lutherkirche unter www.ikvu.de .
Kontakt:
Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer
mobil: 0179 - 52 44 075
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