Bischof Huber dreht an der Eskalationsschraube
Frankfurt/Main, 14.12.2008
Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten - IKvu
Pressemitteilung
Das Berliner Volksbegehren "Pro Reli" zur Einführung eines
konfessionellen Wahlpflichtfaches Religion an Berliner Schulen läuft
offenbar längst nicht so erfolgreich, wie von den beiden großen Kirchen,
die das Volksbegehren massiv unterstützen, erwartet. Anders ist die jüngste
Entgleisung des evangelischen Landesbischofs Wolfgang Huber nicht zu erklären:
Huber hatte in der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" vom 11.
Dezember "klare Loyalität" von den kirchlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern zur Unterstützung des
"Volksbegehrens" gefordert.
Volksbegehren sind jedoch Elemente der demokratischen Willensbildung,
die, sofern sie zur Durchführung kommen, ihren Ausdruck in freien und
geheimen Abstimmungen finden.
"Im günstigsten Fall", so Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer
des Ökumenischen Netzwerks Initiative Kirche von unten, "haben wir
damit die schizophrene Situation, dass kirchliche Mitarbeiter in ihrer
Arbeitszeit Werbung für "Pro Reli" machen müssen und ihrer
ablehnenden Haltung dann in ihrer Freizeit und im Geheimen Ausdruck geben dürfen.
Im ungünstigsten Fall muss man fragen, ob hinter der Loyalitätsforderung
des Bischofs auch die Drohung mit dienstrechtlichen Konsequenzen
steht."
Nach der juristisch bedenklichen Verteilung von "Pro
Reli"-Werbematerial durch ReligionslehrerInnen an öffentlichen
Berliner Schulen ist die Loyalitätsforderung des Bischofs über die Presse
schon die zweite Entgleisung in kurzer Folge.
"Diese im höchsten Grad unprofessionellen Aktionen diskreditieren vor
allem die Initiave Pro Reli selbst und schädigen das Ansehen der Kirchen in
der demokratischen Gesellschaft.", so Bernd Hans Göhrig. "Ein
solcher politischer Amoklauf eines kirchlichen Amtsträgers ist
besorgniserregend, offenbar verliert Bischof Huber in den letzten Monaten
seiner Amtszeit bei einem ihm wichtigen Thema jegliches Fingerspitzengefühl."
Auch unter den Berliner Christinnen und Christen regt sich inzwischen
Widerstand gegen das rigide Engagement der Landeskirche. Am 2. Dezember ging
eine Bürgerinitiative "Christen pro Ethik" an die Öffentlichkeit,
die sich für die Beibehaltung des regulären Berliner Schulfaches Ethik
ausspricht.
Dieses Anliegen wird von der IKvu ausdrücklich unterstützt.
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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38
Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der
Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der
Befreiungstheologie.
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Kontakt:
Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer
Mobil: 0179 - 52 44 075
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Oscar-Romero-Haus, Heerstraße 205, 53111 Bonn
