Johannes Brosseder:

Kirchenpolitische Rücksichtnahmen und theologische Prioritäten:
Kein Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag?


Auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 sind weder gemeinsame Abendmahlsgottesdienste noch konfessionelle Gottesdienste, in denen Eucharistische Gastfreundschaft praktiziert wird, Bestandteil des offiziellen Programms. Bei allem Verständnis, das man dieser kirchenpolitischen Entscheidung aus mancherlei Gründen entgegenbringen mag, können jedoch weder die sachlich-theologischen Prioritäten im Zusammenhang von Eucharistie, Kirche und Amt noch auch die Intention des eucharistischen Gottesdienstes verschwiegen werden.

Bei den sachlich-theologischen Prioritäten kann nicht verschwiegen werden, dass Jesus Christus selbst die Getauften zu seinem Mahl einlädt. Dabei ist zu beachten, dass die Kirchen (einschließlich ihres Amtes, auch wenn dieses selbst, wenngleich nicht hinsichtlich der hier angesprochenen Prioritäten, im einzelnen zwischen den Kirchen als noch strittig angesehen wird,) in diesem Zusammenhang nur als Instrumente der Weitergabe dieser Einladung verstanden und begriffen werden können, denen es als Instrumente in der Hand des Herrn verwehrt ist, sich als Herr dieses Mahles zu verstehen.

Bei der Intention des Abendmahlsgottesdienstes bzw. der Eucharistiefeier kann nicht verschwiegen werden, dass die Gemeinschaft im Abendmahl bzw. in der Eucharistie der Intention dieses Mahles entspricht und dieser keineswegs widerspricht (vgl. nur 1 Kor 10,17: "Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brote"); denn Christusgemeinschaft ist die Grundlage der Kirchengemeinschaft.

Von der Sache her gesehen bedürfen daher – und dies erst recht in ausdrücklich ökumenischen Kontexten - die Verweigerung der Abendmahlsgemeinschaft und erst recht die Verweigerung Eucharistischer Gastfreundschaft der Begründung, welche aber den sachlich-theologischen Prioritäten Rechnung zu tragen haben, nicht jedoch die im Abendmahl praktizierte Gemeinschaft. Kirchenpolitische Rücksichtnahme kann nicht so weit gehen, dass unter allen Umständen sowohl die sachlich-theologischen Prioritäten im Zusammenhang von Eucharistie, Kirche und Amt als auch die Intention des eucharistischen Gottesdienstes hintanzustellen sind.


Prof. Dr. Johannes Brosseder lehrt Systematische Theologie am Seminar für Katholische Theologie und Religionspädagogik der Universität zu Köln. Zusammen mit dem Kölner Ökumenepfarrer Dr. Hans-Georg Link hat er soeben das Buch "Eucharistische Gastfreundschaft. Ein Plädoyer evangelischer und katholischer Theologen" herausgegeben.

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