Mit Spannung blicken viele Christen auf den Ökumenischen Kirchentag, der Ende Mai in Berlin stattfindet. Wird es zu gemeinsamen Mahlfeiern kommen, obwohl dies die Leitungen beider Kirchen nicht wünschen und dringend vor "provokativen Aktionen" warnen? Auf evangelischer Seite hat man sich darauf verständigt, solche Schritte zu vermeiden, "die im Ergebnis neue Blockaden im Miteinander zur Folge haben könnten".
Auf einen Kompromiss haben sich die evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord, der Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte und die Kirchenleitung in Berlin-Brandenburg geeinigt. Die Prenzlauer Kirchengemeinde plant zusammen mit der katholischen Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" und der "Initiative Kirche von unten" ökumenische Gottesdienste mit Abendmahlsfeier. Darüber war es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, die jetzt – jedenfalls auf evangelischer Seite – beigelegt sind. Danach soll es keine Abendmahlsfeiern geben, die evangelische und katholische Pfarrer gemeinsam leiten. Stattdessen soll in einem ökumenischen Gottesdienst das Abendmahl nach evangelischer Tradition, in einem anderen Gottesdienst nach katholischem Ritus gefeiert werden. Zur Kommunion, also zum Empfang von Brot und Wein, sollen die Teilnehmer der jeweils anderen Konfession "eingeladen" werden, aber so, "dass sich kein Teilnehmer unter Druck gesetzt fühlt".
Diese
Regelung bedeutet: Die Christen der anderen Konfession genießen
Gastfreundschaft. Für eine "eucharistische Gastfreundschaft" plädieren auch der
katholische Theologe Johannes Brosseder und der evangelische Theologe Hans-Georg
Link, beide aus Köln, in dem von ihnen herausgegebenen Buch mit dem Titel:
"Eucharistische Gastfreundschaft". Beide sind der Ansicht, dass für eine
gegenseitige Gastfreundschaft die Zeit reif sei, nicht jedoch für eine
gemeinsame Feier des Abendmahls.
Die in dem Buch veröffentlichten Beiträge sollen der Klärung theologischer Sachfragen im Gespräch über die Frage der Abendmahlsgemeinschaft dienen. Nur eine solche Klärung und weder Klagelieder noch die "polemische Rede von der Versündigung der anderen am Leib Christi" könne eine Annäherung bewirken, meinen der katholische Theologieprofessor Brosseder und der evangelische Ökumenepfarrer Link.
Dass beide Kirchen im Abendmahlsverständnis in vielen Punkten übereinstimmen und nur noch in wenigen Punkten voneinander getrennt sind, macht der evangelische Theologieprofessor Harding Meyer in seinem Aufsatz, der in dem Buch abgedruckt ist, deutlich. Auf katholischer Seite ist der Hauptgrund für die Ablehnung der Abendmahlsgemeinschaft die Amtsfrage: Nur ein von einem katholischen Bischof geweihter Priester kann die Abendmahlsfeier gültig leiten.
Darum akzeptiert die katholische Kirche nicht, wenn ihre Mitglieder an einer evangelischen Abendmahlsfeier teilnehmen. Andererseits haben die evangelischen Kirchen wiederholte Male die Gastfreundschaft am Tisch des Herrn, wo Christus der Gastgeber ist, betont. So erklärte die EKD-Synode im November 2000: "Das bisher Erreichte ermöglicht es nach unserer Überzeugung schon jetzt, dass die evangelischen Kirchen und die römisch-katholische Kirche einander zur Teilnahme am Heiligen Abendmahl einladen. Die Synode bekräftigt diese Einladung und hofft, dass beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin im Jahr 2003 in diesem Sinn ökumenische Zeichen gesetzt werden können."
Hinweis: Johannes Brosseder, Hans-Georg Link (Hrsg.), "Eucharistische Gastfreundschaft. Ein Plädoyer evangelischer und katholischer Theologen", 192 Seiten, Neukirchener Verlagshaus.
Aus: Unsere Kirche, 9.3.2003
Quelle:
http://www.unsere-kirche.de