Chronik eines Konflikts:

Streit um Abendmahlsgemeinschaft beim
Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin

Presseschau 2004
(zusammengestellt von Thomas Wystrach)

Verboten: Gemeinsames Abendmahl


Das Kuschen und Kämpfen der Kirchenrebellen
Ein aufmüpfiger Priester geht, ein anderer streitet weiter mit Rom
Bistum Rottenburg-Stuttgart verhindert Hasenhüttls Auftritt

21.2.2004. Weil sie gegen ein Verbot des Papstes beim Ökumenischen Kirchentag verstoßen haben, sind zwei Priester in Ungnade gefallen - mit unterschiedlichen Folgen: Der eine betreut nun psychisch Kranke, der andere ficht in Rom um sein Recht. Beim Katholikentag droht neuer Streit. ... weiter


Deutschland: Debatte um Eucharistie-Gemeinschaft

RV, 13.2.2004. Wieder sorgt die Frage einer "eucharistischen Gastfreundschaft" für hitzige Debatten in Deutschland. In einem Artikel in der "Tagespost" hat der emeritierte Münchner Dogmatiker und Kardinal Leo Scheffczyk den Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, heftig angegriffen. Nun werfen ihrerseits Tübinger Theologieprofessoren dem Kardinal vor, hinter das II. Vatikanische Konzil zurückzugehen. Nach den heftigen Debatten um die "Abendmahlsgemeinschaft" auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin hatten hunderte von Priestern zunächst im Bistum Rottenburg-Stuttgart und ebenso im Erzbistum Köln offene Briefe an ihre Bischöfe geschickt und den Wunsch nach einer generellen "offenen Kommunion" geäußert. ... weiter


Bestürzt über Rückgang des Glaubenswissens
Kardinal Meisner bekräftigt Verbot der Interkommunion

Köln, 12.2.2004 (DT/KNA). Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die kirchliche Lehre zum Eucharistieverständnis bekräftigt. Mit einem am Mittwoch in Köln veröffentlichten Brief reagierte er auf eine Unterschriftenaktion von Katholiken seines Erzbistums, in der um Einführung der so genannten offenen Kommunion für Nichtkatholiken gebeten wird. Diese ist nach katholischem Kirchenrecht verboten. Zugleich kritisiert der Kardinal in dem Brief ein Papier der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland vom Januar, nach dem niemand vom Abendmahl ausgeschlossen werden dürfe. Kritik des rheinischen Präses Nikolaus Schneider an der Suspendierung des Saarbrücker Priesters Gotthold Hasenhüttl weist er als "destruktiv" zurück. ... weiter


Emotionen, Gags und fromme Affekte

DT, 5.2.2004. Es geht um "Abendmahlsgemeinschaft" und Glaubenseinheit: Ein Aufruf von Priestern der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur generellen Einführung der "offenen Kommunion" für ökumenische engagierte Christen zeigt, wie weit Relativismus und Indifferentismus in den katholischen Glauben eingedrungen sind. Gastfreundschaft am Altar ist in diesem Bistum "bereits gute Praxis". Wenn nicht eine Rückbesinnung auf die eigene Sakramentenlehre erfolgt, dann dürfte das "Katholische" im eucharistischen Denken und Leben der Kirche bald nur noch ein Etikett mit abgelaufenem Verfallsdatum sein. ... weiter


Hoffen auf ökumenischen Frühling
Fundamentale Gegensätze bei Abendmahlsfrage lassen Gespräche erstarren

Weiden, 28.1.2004 (eie). Der ökumenische Sommer 2003 war mindestens so heiß wie der meteorologische. Doch schnell folgte die gegenwärtig noch anhaltende Eiszeit. Nun hoffen viele lutherische Christen auf einen ökumenischen Frühling. Einer von ihnen ist Privatdozent Dr. Johannes Rehm aus Bamberg. Der lutherische Studentenpfarrer plädierte am Montagabend vor dem Freundeskreis der Akademie Tutzing vehement für ein gemeinsames Abendmahl von katholischen und evangelischen Christen. ... weiter


Für gemeinsame Eucharistie "noch keine ausreichende Basis"
Kardinal Wetter sieht die Kirche "nicht am Ziel, aber auf dem Weg"
Gespräch mit Leitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche

München, 14. Januar 2004 (ok). Nach den Worten des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, gibt es "noch keine ausreichende Basis" dafür, dass katholische und evangelisch-lutherische Christen die Eucharistie gemeinsam feiern können. Weil es dabei um "das Herzstück des christlichen Lebens" gehe, werde von allen Beteiligten fundiertes Wissen und große Sorgfalt erwartet. Nicht Ähnlichkeiten in der äußeren Form seien entscheidend, sondern "welche Übereinstimmung es in Glaubensinhalten tatsächlich gibt". ... weiter


Ökumenische Gastfreundschaft

Flawil, 13.1.2004. Jeweils im Januar gehört es zur Tradition, dass die evangelisch-methodistische, die evangelische und die katholische Kirchgemeinde Flawils im Rahmen der Weltgebetswoche für die Einheit der Glaubenden einen ökumenischen Gottesdienst feiern. Dieses Jahr begehen die drei Kirchgemeinden diese Einheitswoche auf eine andere Art: Nachdem in den letzten Jahren in vielen Bereichen eine gute ökumenische Zusammenarbeit gewachsen ist, möchten die Flawiler Kirchgemeinden einen Schritt weitergehen, indem sie sich gegenseitig zu ihren je eigenen Gottesdiensten mit Abendmahl oder Eucharistie einladen. ... weiter


Präses Schneider kritisiert katholisches Abendmahlsverständnis

Bad Neuenahr, 12.1.2004 (epd). Der Präses der rheinischen evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, hat das katholische Abendmahlsverständnis kritisiert. "Die Kirche darf vom Tisch des Herrn nicht ausschließen", sagte er am Montag vor Journalisten in Bad Neuenahr. Die Vorstellung, die Austeilung des Abendmahls sei ans Weihe-Priestertum gebunden, halte er für falsch. Jesus selbst habe keine "handverlesene Gesellschaft" an seinem Tisch gehabt. "Wenn Jesus so einlädt, welches Recht haben wir, es anders zu machen?", fragte der evangelische Theologe. ... weiter


Leiden an der Kritik:
Die Kirche tut sich mit dem Widerspruch schwer

EICHSTÄTT, 3.1.2004. In den Neujahrspredigten mancher katholischer Bischöfe waren heuer nicht nur versöhnliche Töne zu vernehmen. Eichstätts Oberhirte Walter Mixa beispielsweise verteilte auch gehörige Schelte, kanzelte die Kirchenkritiker mit deutlichen Worten ab. Viele Christen, meinte er, betrieben sogar "Antiwerbung", die sich in Miesmacherei äußere. In den eigenen Reihen dominiere oft das "Leiden an der Kirche". (...) Die Äußerungen Mixas müssen naturgemäß auch vor dem Hintergrund der Affäre um den Großhabersdorfer Pfarrer Bernhard Kroll gesehen werden. ... weiter


Müller für weiteren ökumenischen Kirchentag

München / Regensburg, 2.1.2004 (KNA). Der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Ludwig Müller hat sich für einen weiteren Ökumenischen Kirchentag ausgesprochen. Eine "Eintagsfliege" mache keinen Sinn, betonte Müller am Freitag in einem gemeinsamen Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) und dem Evangelischen Pressedienst (EPD). Der nächste Ökumenische Kirchentag sollte aber von "überzogenen Erwartungen" befreit werden. Er dürfe nicht von bestimmten Gruppen und Medien instrumentalisiert werden, um die "wahre und ernsthafte ökumenische Bewegung vor Schaden zu bewahren". ... weiter


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