Freiburg i. Ü., 26.6.2002 (Kipa). Die angekündigte "Priesterinnenweihe" macht auf schwerwiegende Mängel in der katholischen Kirche aufmerksam. Statt "verkrampft" diese "Weihe" zu ignorieren, soll die Kirchenleitung energisch dringende Reformen angehen, fordert der Freiburger Pastoraltheologe Leo Karrer und Präsident der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie in einem Forum für die Presseagentur Kipa. Der Gesellschaft gehören über 1.100 Professoren und Professorinnen der Theologie aus zwanzig Ländern an.
Am kommenden Samstag will sich eine Anzahl Frauen an einem nicht genannten Ort in Österreich zu Priesterinnen "weihen" lassen. Der Weg, der mit dem Priesterinnen-Projekt beschritten werde, sei ohne Zweifel spalterisch und führe zur schismatischen kirchlichen Gebilden, schreibt der Theologe. Wenn aber immer mehr Gemeinden ohne Pfarrer am Ort, ohne Eucharistiefeier und ohne Sakramente durchkommen müssten und die Zulassungsbeschränkungen der Kirche trotzdem manchen Berufungen einen Riegel vorschieben würden, dann "wird verständlich, dass sich das noch wache Kirchenvolk holt, was ihm die Hirten vorenthalten". Karrer: "Das nenne ich schismatisierende Selbsthilfe." Dieser Vorgang mache aber traurig, weil er spalte und viele Kräfte infolge der kircheninternen Strukturfragen aufreibe.
Sakramente als Leidtragende
Die Sakramente als sensible Zeichen und Symbole würden zu
Kampfmitteln zur Erringung eigener Interessen oder kirchlicher
Reformabsichten oder deren Abwehr. "Daran können sie auch sterben", warnt
Karrer. "Die Kirchenordnung hätte doch der Ermöglichung der vollen
Gemeindeleitung und dem unbeschränkten Vollzug des sakramentalen Reichtums
der Kirche zu dienen, nicht sie zu verhindern." Die Kirche ernte die Früchte
ihrer Weigerung, die Zölibatsfrage umsichtig zu diskutieren. Karrer weist
zudem auf das apostolische Schreiben "Die Priesterweihe" vom 1994, das die
"Diskussion der Ordination von Frauen verbietet".
Heutige Härte morgen in Frage stellen
Die Entscheidungsträger der Kirche seien in Pflicht genommen. Sie
könnten die "Priesterinnenweihe" nicht verkrampft ignorieren. Vielmehr
sollten sie sich Gedanken darüber machen, "ob nicht dahinter das 'Wehen des
Geistes' zu spüren sei, ob nicht endlich energischere Reformen anzugehen
sind". Karrer: "Es könnte ja sein, dass die Kirche später einmal wird
anerkennen und als gültig erklären, was sie heute noch glaubt mit aller
Härte ablehnen zu können." Der Vorgang der Priesterinnenweihe werde somit
eine ernste Anfrage an die Kirchenleitung, ob sie bereit sei, darauf zu
hören, "was der Geist den Gemeinden sagt".
Ungenügender Gemeindeauftrag
Der Theologe hat auch Anfragen an die "Priesterinnen". "Wird man der
theologischen und spirituellen Bedeutung des kirchlichen Amtes gerecht, wenn
man es auf diese Art und Weise erschleicht?" Die Kirche habe immer wieder
betont, dass persönliche Berufung und kirchliche Sendung zusammengehörten.
Karrer: "Genügt es da, dass irgendein herbeibemühter 'Bischof' Frauen die
Hände auflegt zu dem Zweck, dass sie ihr subjektives Ziel erreichen." Im
Zusammenhang mit der "Priesterinnenweihe" sei bisher von einer Beauftragung
zum Dienst und einer Rückbindung an die kirchliche Gemeinschaft nie die Rede
gewesen.
Mitsprache und Geheimnistuerei
Als sehr problematisch bezeichnet der Theologe die Geheimnistuerei
um den Anlass. Man könne nicht für Mitsprache plädieren und gleichzeitig für
eine Weihe eintreten, bei der der weihende Bischof bis zur letzten Minute
unbekannt sei und Geheimhaltung den ganzen Vorgang in eine peinliche Story
von medialem Unterhaltungswert hineinmanövriere. Letztlich seien
Reformüberlegungen, Aktionen, Proteste und "die Einlösung unserer
ursprünglichen kirchlichen Naherwartungen" an der Frage auszurichten, für
was sie zum Segen werden sollen.
Quelle: http://www.kath.ch