Auftrittsverbot für Reformbischof Gaillot im Erzbistum Köln


Leserinitiative Publik e.V.: "Rote Karte für Kardinal Meisner"

Mit einem knappen Brief untersagt der Kölner Kardinal Joachim Meisner Bischof Jacques Gaillot den Auftritt bei der von der Leserinitiative Publik und der Zeitung Publik-Forum veranstalteten Podiumsdiskussion mit Jacques Gaillot und Eugen Drewermann »Christsein im 3. Jahrtausend – Glaube, der Hoffnung hat« am 28. Oktober in der Bonner Beethovenhalle. Trotzdem findet das Forum »Christsein im 3. Jahrtausend« mit Eugen Drewermann statt. Bischof Gaillot wird mittels einer eigens von ihm verfassten Botschaft in Bonn präsent sein, Gedanken des undogmatischen Querdenker-Bischofs werden in Bonn verlesen.

Meisners Verbotsschreiben »Sehr geehrter Herr Bischof Gaillot ...« ist kaum eine Seite lang, auf Deutsch abgefasst und von Meisner persönlich unterzeichnet. Es endet mit den Worten: »In der Liebe Christi«. Diese vom Kölner Kardinal verwendete Grußformel wirkt in diesem Zusammenhang zynisch.

Kirchenrechtskenner bewerten Meisners autoritäres Vorgehen als skandalös. Im Canon 763 des katholischen Kirchenrechts steht: »Die Bischöfe haben das Recht, überall, nicht ausgeschlossen die Kirchen und Kapellen der Ordensinstitute päpstlichen Rechts, das Wort Gottes zu predigen, wenn nicht der Ortsbischof in Einzelfällen dies ausdrücklich verwehrt.« Meisner schafft nun selbstherrlich einen solchen »Einzelfall«. Es handelt sich bei seinem Verbot um einen absolut unüblichen Vorgang. Kirchliche Beobachter und katholische Kirchenrechtsprofessoren sprechen von einem »Skandal«.

Meisners Verbotsbrief traf am 21. Oktober bei Gaillot in Paris ein. Darauf sagte Gaillot unter tiefem Bedauern seine Reise nach Bonn ab. Das Wort lässt er sich dennoch nicht verbieten. Gaillot geht kreativ mit dem Verbot um.

Dem umstrittenen Kölner Kardinal sind die progressiven Ansichten Gaillots, der unter Pariser Obdachlosen lebt und sich für illegale Einwanderer einsetzt, offenkundig höchst zuwider. Gaillot leitet als katholischer Titularbischof sein Internet-Bistum Partenia. Um die hunderttausend Menschen wenden sich jährlich mit ihren Glaubensfragen per Internet an Gaillot. Seine Antworten auf die Fragen der Leute finden sich in dem soeben erschienenen Buch: »Ein Katechismus, der Freiheit atmet«.

Auf dem Deutschen Katholikentag in Ulm hatte am 17. Juni 2004 – auf Einladung von Publik-Forum und der Leserinitiative Publik – Bischof Gaillot mit dem Theologen, Kirchenkritiker und Therapeuten Eugen Drewermann vor weit über 1000 Zuhörerinnen und Zuhörern diskutiert, Thema: »Abschied von der Kleruskirche«.

Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz gab es hernach darüber heftigen nichtöffentlichen Streit. Kardinal Meisner habe, so berichten Insider, den gastgebenden Stuttgart-Rottenburger Bischof Gebhard Fürst und insbesondere Kardinal Karl Lehmann attackiert, weil diese in Ulm den Auftritt des französischen Bischofs nicht verhindert hatten.

Völlig unverständlich ist das skandalöse Auftrittsverbot Meisners angesichts der Tatsache, dass Bischof Gaillot sich in Lourdes mit den französischen Bischöfen und dem Papst getroffen hat. Leider gibt es unter den deutschen Bischöfen keinen einzigen, der den christlichen Glauben ähnlich packend und einladend zu verkündigen imstande ist wie Gaillot.

Das 2005 in Köln stattfindende katholische Großprojekt des Weltjugendtreffens der rund 800 000 Jugendlichen und rund 400 Bischöfe aus aller Welt muss vor den engstirnigen und selbstherrlichen Aktivitäten des Kardinals geschützt werden. Der Papst, dem das Kölner Großtreffen ein persönliches Anliegen ist, legt Wert auf Offenheit, weshalb nicht nur junge Katholiken, sondern auch Jugendliche anderer Konfessionen und Religionen eingeladen sind. Meisners Ungeist der Ausgrenzung und Abgrenzung soll in Köln nicht herrschen.

Der Kölner Kardinal ist aufgefordert, sich künftig zurückzuhalten. Verbote und Maßregelungen wie die des Kölner Erzbischofs schädigen das Ansehen der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit. Seine ständigen Fouls brauchen endlich die Rote Karte. Deshalb beteiligen Sie sich an der Unterschriftenaktion »Rote Karte für Meisner«!


Chers amis!

Liebe Freundinnen und Freunde, die ihr heute Abend, am 28. Oktober, hier in Bonn versammelt seid, wie sehr hätte ich mir gewünscht, mit Eugen Drewermann zusammen bei euch zu sein! Eure Gegenwart hätte mich gefreut, gestärkt und getröstet, und Eugen Drewermanns Worte hätten mich aufgemuntert. Ihr habt erfahren, dass ich nicht zu euch kommen kann nach Bonn, um hier zu reden. Ich werde nicht mehr in eure große Kölner Diözese kommen, um auf euren Versammlungen das Wort zu ergreifen.

Ich muss sagen, dass ich seit zehn Jahren in Sachen Verbote eine gewisse Erfahrung sammeln konnte. Aber ich bin immer meinen Weg weiter gegangen und habe mich zu neuen Ufern aufgemacht, wo eine Begegnung möglich war. Das Wort Gottes kann nicht in Ketten gelegt werden. Das Evangelium bricht sich Bahn.

Wäre ich jetzt unter euch, dann würde ich gerne von der Hoffnung sprechen, die in uns ist und die uns nicht enttäuscht, wie der Apostel Paulus sagt: "Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen, denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns geschenkt worden ist" (Römerbrief, Kapitel 5, Vers 5).

Unsere Hoffnung, das bedeutet: die Prüfungen durchstehen, ohne sich von ihnen erdrücken zu lassen, die Hindernisse überwinden, um weiterzukommen. Die Hindernisse können zu neuen Wegen werden. Die Prüfungen können zu neuen Quellen führen, schwierige Situationen können zu Momenten geistlicher und spiritueller Erfahrung werden ...

Ich stelle mir oft die Frage: "Wer ist heute der Hoffnungsträger der Armen?" Jesus, der junge Prophet von Nazaret, war der Hoffnungsträger der Armen. Die Armen fühlten sich durch seine Worte und Taten angesprochen. Wenn mein Leben keine Hoffnung wäre für die Armen, wie könnte ich dann ein Jünger Jesu sein? Gott kann machen, dass in unserem Leben Neues entsteht ...

Jacques Gaillot, Bischof von Partenia


Lieber Jacques Gaillot!
Da hatten wir uns also auf ein gutes Wiedersehen in Bonn gefreut, aber es soll daraus auf Weisung des Kölner Kardinals nichts werden. Wie es möglich ist, Ihnen die freie Rede in Deutschland zu verbieten, ist nur durch groteske Klauseln im Kirchenrecht verständlich, die einem Bischof offenbar immer noch Amtsvollmacht wie einem Fürsten im 16. Jahrhundert zusprechen.

Es ist schlicht beschämend, und wäre ich nicht mit der Kirche in Deutschland ohnedies in erheblichem Widerspruch, so müsste ich mich zusätzlich für meine Kirche bei Ihnen entschuldigen. So aber werde ich in Bonn sagen, dass Ihr Engagement für die Asylsuchenden ohne Papiere (Sans-Papiers) gerade das ist, was in der Nachfolge Jesu erwartet wird, um Christ zu sein: Die Frage ist nicht, welch einer Gruppe man zugehört, sondern was für ein Mensch man ist.

Ich danke Ihnen, lieber Jacques Gaillot, dass Sie ein solcher Mensch sind.

In herzlicher Freundschaft und Verbundenheit
Ihr Eugen Drewermann


Wer einen Protest an Kardinal Meisner wegen des Auftrittsverbots von Bischof Jacques Gaillot im Erzbistum Köln richten möchte, hier die ADRESSE und ein MUSTERBRIEF (Elfriede Harth, Versailles - Frankreich):

Erzbischof Joachim Kardinal Meisner
Kardinal-Frings-Straße 10
D-50668 Köln
Tel.: +49 221 1642-5204
Fax: +49 221 131286
erzbischof@erzbistum-koeln.de

Sehr geehrter Herr Kardinal,
mit großer Bestürzung habe ich erfahren, dass Sie Ihrem Mitbruder im Bischofsamt, Mgr. Jacques Gaillot, die Gastfreundschaft in Ihrem Bistum verweigern. Weniger als ein Jahr vor dem Weltjugendtag schließen Sie, Bischof der reichsten Diözese Europas, wenn nicht gar der Welt, einem anderen katholischen Bischof die Tür Ihres Bistums zu, der gerade bei Jugendlichen hoch angesehen ist, weil er als Bischof der Ausgeschlossenen mit den Ausgeschlossenen tatsächlich sein Leben teilt. Ihre Geste wirkt wie ein Zugeständnis von Schwäche und Furcht, die mit dem Mantel der Härte und der Macht notdürftig verdeckt werden.

Mgr. Jacques Gaillot stellt für ganz große Teile der christlichen Jugend, aber auch für sehr viele Menschen jenseits aller Grenzen, und besonders auch für die, die sich der Kirche immer mehr entfremdet fühlen, ein Zeichen der Hoffnung dar. Er ist ein glaubwürdiger Träger der Guten Botschaft, der zahllose Menschen mit einer Kirche versöhnt, die allzu oft zu vergessen scheint, dass sie zum Dienen berufen wurde.

Ich kann als Katholik(in) Ihre Geste nicht mittragen, und möchte mich ausdrücklich davon distanzieren.

Mit freundlichen Grüßen


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