Der Gemeindekirchenrat und die Pfarrerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord zu Berlin haben uns zwei Briefe zur Kenntnis gegeben, die sie nach Bestätigung der Amtsenthebung von Prof. Dr. Hasenhüttl als katholischer Priester an die "Kongregation für die Glaubenslehre" in Rom und an Prof. Dr. Gotthold Hasenhüttl in Saarbrücken geschrieben haben. Pfarrer Heinz-Otto Seidenschnur grüßt die Freundinnen und Freunde aus der Initiative Kirche von unten (IKvu) und der KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" mit den Worten "Wir freuen uns, mit Euch weiter auf dem Weg und der Suche nach der ganzen Wahrheit des Glaubens zu sein."
Evangelische
Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord
Elias - Gethsemane - Paul-Gerhardt - Segen
Zentralbüro, Göhrener Straße 11, 10437 Berlin
Tel. 030-4426331, Fax 44056218, 41715965
E-Mail: eliasgemeinde@gmx.de
Seine Exzellenz
Apostolischer Nuntius
Erzbischof Erwin Ender
Lilienhalstrasse 3a
10965 Berlin
17. Dezember 2004
mit der Bitte um Weiterleitung
An die
Congregatio pro Doctrina Fidei
Herrn Präfekten Dr. Joseph Card. Ratzinger
Pallazzo del S. Uffizio
I - 00120 Città del Vaticano
Sehr geehrter Herr
Kardinal, liebe Brüder der Congregatio,
in Ihrem Dekret, das nach Ihrer Beratung vom 13.10. und 10.11.04
verfasst worden ist, haben Sie die Amtsenthebung von Herrn Professor Dr.
Dr. Gotthold Hasenhüttl als katholischer Priester, die von Herrn
Kardinal Dr. Reinhard Marx aus Trier am 24.4.04 ausgesprochen wurde,
bestätigt. Aus diesem Grunde schreiben wir Ihnen diesen offenen Brief.
Herr Professor Dr. Dr. Hasenhüttl hat sich aus Ihrer Sicht zu Schulden kommen lassen, dass er in einem katholischen Gottesdienst, der in unserer Gethsemane- Kirche am 29.5.03 gefeiert wurde, alle gläubigen Christen, also auch uns Evangelische, zur Teilnahme an der Eucharistie eingeladen hat. Sie haben das als (wörtlich!) "schwerwiegenden Missbrauch" und als "Straftat" bezeichnet. Wir bitten Sie sehr dringend, diesen Beschluss wieder zurückzunehmen. Wir wenden uns an Sie, weil wir sehr großes Interesse haben, Schaden von der katholischen Kirche, der Glaubwürdigkeit der Christinnen und Christen und der Ökumene abzuwenden. In der Tat glauben wir, dass durch dieses Dekret der Kirche Schaden entsteht. Längst ist diese Auseinandersetzung auch nicht mehr nur innerkatholisch. Sie führen Christen unterschiedlichen Grades ein und machen uns Evangelische zu Christen zweiter Klasse.
Uns geht es nicht darum, gemeinsame Abendmahlsfeiern mit Katholiken und Evangelischen in Szene zu setzen. Bewusst haben wir bei der Planung der Gottesdienste ganz deutlich gemacht, dass wir - Katholiken und Evangelische - zu dem gegenseitig einladen, was uns heilig ist: der Eucharistie und dem Abendmahl. Wenn Gott in der Taufe bedingungslos ,Ja' zu uns sagt, dann darf eine Eucharistiepraxis Getaufte nicht ausgrenzen. Den Unterschied zwischen ,katholisch' und ,evangelisch' wollen wir keinesfalls einebnen, wir sind daran interessiert, dass unsere beiden Kirchen aufeinander zugehen, miteinander beten und handeln und voneinander lernen. Das wäre ein deutliches Zeichen in einer von Trennungen und Abgrenzung gezeichneten Welt.
Eindringlich bitten wir Sie, von diesem eingeschlagenen Weg wieder umzukehren. Gerne lassen wir uns immer wieder befragen, ob wir wirklich richtig gehandelt haben, als wir jene Gottesdienste während des Ökumenischen Kirchentages konzipiert haben. Wir fordern Sie aber auf, sich ebenfalls ernstlich fragen zu lassen, ob das wirklich dem Willen Gottes und dem Wesen einer Kirche Jesu Christi entspricht, was Sie gerade tun. Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam auf der Suche nach der Wahrheit unterwegs sind und lehnen dabei eine Praxis ab, bei der Menschen von dem dafür notwendigen Gespräch ausgeschlossen werden.
Als Geschwister im Glauben, die sich bei aller Auseinandersetzung und deutlichen Kritik dem Herrn der Kirche verbunden wissen, grüßen wir Sie im Namen des Gemeindekirchenrates.
Pfn. Uta Fey
Pf. Gisbert Mangliers
Pf. Christian Zeiske
Pf. Heinz-Otto Seidenschnur
Evangelische
Kirchengemeinde Prenzlauer Berg-Nord
Elias - Gethsemane - Paul-Gerhardt - Segen
Zentralbüro, Göhrener Straße 11, 10437 Berlin
Tel. 030-4426331, Fax 44056218, 41715965
E-Mail: eliasgemeinde@gmx.de
Herrn
Prof. Dr. Gotthold Hasenhüttl
Philippinenstr. 23
66119 Saarbrücken
17. Dezember 2004
Sehr geehrter lieber
Bruder Hasenhüttl,
mit großer Bestürzung und Empörung mussten wir das Dekret zur Kenntnis
nehmen, das von der "Kongregation für die Glaubenslehre" nach deren
Beratung am 13.10. und 10.11.04 verfasst worden ist. Ihnen wird
vorgeworfen, eine "Straftat" begangen zu haben, ja sogar einen
"schwerwiegender Missbrauch". ,Straftat' und Missbrauch' bestünden
darin, dass Sie in einem Gottesdienst während des Ökumenischen
Kirchentages in Berlins (im Sommer ´03) in der Gethsemane- Kirche alle
gläubigen Christen, auch uns Nicht- Katholiken, zur (katholischen)
Eucharistie eingeladen haben. Man hat Sie deshalb vom Priesteramt
suspendiert - und anscheinend gibt es auch Bestrebungen, Ihnen das
Lehramt zu entziehen. Wir sind entsetzt, dass Kardinäle und Bischöfe der
"Kongregation für Glaubenslehre" diese Ihre Einladung als "Straftat" und
"Missbrauch" brandmarken, so als handele es sich um eine Tat, wie jene
von katholischen Priestern in Österreich, die sich an Kindern vergangen
haben.
Sie, lieber Bruder Hasenhüttl, haben gerade in diesem Gottesdienst in der Gethsemane- Kirche vielen Menschen wieder den Zugang zum Glauben an Jesus Christus und auch zur Kirche ermöglicht. Wir haben die vielen Gesichter beim Gottesdienst mit den Tränen in den Augen noch sehr gut Erinnerung. Sie, lieber Bruder Hasenhüttl, haben menschlich großartig gehandelt und sind uns als Christ und als katholischer Priester sehr glaubhaft und überzeugend geworden. Wir danken Ihnen sehr und hoffen inständig, dass innerhalb der katholischen Hierarchie der Fehler Ihrer Suspendierung und Diffamierung Ihrer Person eingesehen und baldmöglichst korrigiert wird. Wir hoffen das, weil dadurch nicht nur Schaden von Ihrer Person abgewendet werden könnte sondern auch Schaden, der durch Vertauensverlust in und an der katholischen Kirche entstanden ist. Mit dem oben genannten Dekret trägt sie leider ganz entscheidend zu ihrer eigenen Unglaubwürdigkeit bei. Wir meinen, dass auch unsere evangelische Kirche nicht schweigen darf und werden uns deshalb auch an unseren Bischof und Ratsvorsitzenden Dr. Wolfgang Huber wenden.
In geschwisterlicher und freundschaftlicher Verbundenheit grüßen wir Sie sehr herzlich im Namen des Gemeindekirchenrates
Pfn. Uta Fey
Pf. Gisbert Mangliers
Pf. Christian Zeiske
Pf. Heinz-Otto Seidenschnur
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