HuK-Regionalgruppe Augsburg und Initiative CSD Augsburg
Offener Brief an den
Bischof der Diözese Augsburg verfasst von der Regionalgruppe Augsburg der Ökumenischen
Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und der Initiative CSD Augsburg
Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Walter Mixa,
wir stehen dem Verbot von Gottesdiensten zum Christopher Street Day (CSD) in
Augsburg nach wie vor mit völligem Unverständnis gegenüber. Auf der
Internetseite des Bistums Augsburg haben wir eine Erklärung gelesen, die Anlass
zu Erläuterungen bzw. Richtigstellungen gibt.
Der CSD war und ist seit seinen Anfängen im Jahr 1969 in New York immer eine
politische Veranstaltung gewesen, die auch von Feiern des "Wir-Gefühls"
begleitet waren. Das war auch in Augsburg immer so. Die Aussage, der CSD sei in
den vergangenen Jahren immer mehr zu einem politischen Manifest geworden, stimmt
einfach nicht.
Der Gottesdienst selbst war von Anfang an immer als Beginn des Tages und als
integraler Bestandteil des CSD gedacht. Christen aller Konfessionen haben in dem
Gottesdienst Gott gedankt, dass wir so sind wie wir sind, gemeinsam gebetet und
gesungen und ihre Bitten vor den Altar des Herrn getragen. Politische Manifeste
waren nie Bestandteil des Gottesdienstes und werden es auch künftig nicht sein.
Sind nicht die Gotteshäuser dazu gebaut, dass alle Menschen in ihnen beten,
singen und Gott danken?
Wie dem seelsorgerischen Anliegen in anderer Weise als in einem Gottesdienst
entsprochen werden kann, ist uns absolut schleierhaft. An keinem anderen Tag des
Jahres versammeln sich gleichzeitig so viele schwule und lesbische Christen in
einem Gotteshaus wie beim CSD. In dem Gottesdienst geht es nicht vordergründig
um an AIDS verstorbene Menschen.
Zudem ist die Unterstellung homosexuell = AIDS unzulässig. In seinem
"Epidemiologisches Bulletin 2005, Sonderausgabe B" berichtet das
Robert-Koch-Institut (R´KI) für das erste Halbjahr 2005 für Bayern 323
HIV-Neuinfektionen, von denen "nur" 146 schwulen Männern zuzuordnen
sind. Die Berichte des RKI sind ja hoffentlich Konsens.
Vielleicht sollte man sich in Ihrem Ordinariat auch über einige Begriffe
informieren, vor man damit umgeht: Homosexuell bedeutet per Definition
gleichgeschlechtlich. Im englischen Sprachraum hat sich der Begriff "gay"
dafür eingebürgert. Dagegen bedeutet im Deutschen der Begriff
"schwul" eine Beziehung zwischen Männern, "lesbisch"eine
Beziehung zwischen Frauen. "homosexuelle und lesbische" ist also nicht
zutreffend weil falsch.
Eine frühere Mitteilung des Ordinariats (Schreiben vom 20.2.06), wonach das
Gottesdienstverbot auf eine Entscheidung der Glaubenskongregation zurückgehe,
entspricht ja offensichtlich nicht den Tatsachen.
Einem Postulat von Siegmund Freud folgend, das zwischenzeitlich von renommierten
Meinungsforschungsinstituten bestätigt wurde, sind in unserem Land etwa 5 - 10
% der Bevölkerung homosexuell. Also leben in Ihrem Bistum etwa 100.000
homosexuelle römisch-katholische Christinnen und Christen. Wollen Sie diese
alle ins Abseits stellen? Und was ist mit den kirchlichen Mitarbeitern und
Priestern?
Wir bieten der Bistumsleitung erneut ein persönliches Gespräch in dieser Sache
an. Auf unserer Seite ist die Türe offen, auch wenn Sie uns die Türe auf Ihrer
Seite vor der Nase zugeschlagen haben.
Diese Email geht auch an den Apostolischen Stuhl, die Vorsitzenden der Deutschen
und der Freisinger Bischofskonferenz sowie an die Medien.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Burkhard
Beethovenstraße 15
86356 Neusäß
Telefon: 0821 / 4865070
Fax: 0821 / 4863270
E-Mail: wolfgang@csd-augsburg.de
für die
HuK Regionalgruppe Augsburg
www.huk.org/regional/augsburg
und die Initiative CSD Augsburg
www.csd-augsburg.de