zuletzt aktualisiert: 06.04.2007
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GESCHICHTE


Die Bewegung einer "Kirche von unten" hat ihre Wurzeln einerseits im sogenannten kritischen oder Linkskatholizismus, im Linksprotestantismus und in der Friedensbewegung der 20er Jahre, andererseits in der Ökumenischen Bewegung der Nachkriegszeit, in der Öffnung der römisch-katholischen Kirche während des II. Vatikanischen Konzils (1962 - 65) und in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie.

Die Gründung der IKvu - eine Reaktion auf Entwicklungen der 60er und 70er Jahre.

Auf den kirchlichen Aufbruch während des II. Vatikanischen Konzils folgte in der römisch-katholischen Kirche eine Phase der Polarisierung. Insbesondere der Umgang mit der Enzyklika "Humanae vitae" Papst Paul VI. (1968) steht in der Bundesrepublik Deutschland für eine Verschärfung der innerkirchlichen Gegensätze, die in der Brüskierung von Reformimpulsen der Würzburger Synode durch Rom ihre Fortsetzung findet. Kritische christliche Gruppen beschließen daher 1978 auf dem Freiburger Katholikentag, für den folgenden Katholikentag im Juni 1980 in Berlin einen "Katholikentag von unten" vorzubereiten, da kritische Positionen in den offiziellen Veranstaltungen kein Forum finden.

"Am 6./7.  September 1980 trafen sich die beteiligten Gruppen zur Reflexion und zu neuen Plänen. Klar war, dass alle weiter arbeiten wollten. Das Kürzel „Kvu" hatte einen festen Platz im deutschen Katholizismus und in der Öffentlichkeit gefun­den, so dass alle es weiter benützen wollten. Doch sollten Katholikentage von unten nicht der einzige Zweck des neuen Bündnisses sein. Da kam das Kürzel IKvu ins Gespräch: die „Initiative Kirche von unten" wurde geboren!"

... so erinnert sich Ferdi Kerstiens an die Gründung in der KSG in Frankfurt am Main. Noch ganz frisch war die Erfahrung eines überaus erfolgreichen Kontrastprogramms auf dem Berliner Katholikentag: der erste Katholikentag von unten hatte mit einem Mal den bundesdeutschen Katholizismus in Bewegung gebracht. Nun knüpften sich große Hoffnungen an dieses Projekt. Die etwa 30 Gruppen wandten sich vor allem gegen die Ausgrenzung von Personen, Gruppen und Themen, forderten dagegen eine offene Diskussion und die generelle Öffnung der Kirche im Geist des Konzils.

Vor allem von den Katholikentagen von unten gehen wichtige Impulse aus.

1982 folgten Zehntausende dem Aufruf der IKvu zu einer Friedensdemonstration anläßlich des Düsseldorfer Katholikentags in die Rheinauen unter dem Motto "Kehrt um - Entrüstet Euch!". 1994 gehörte die IKvu zu den Gründern der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche". 1995 organisierte das Netzwerk ein bundesweites KirchenVolksBegehren zur Reform der katholischen Kirche, das von 1,8 Mio Menschen durch ihre Unterschrift unterstützt wurde. 2003 wurden zwei Gottesdienste mit ökumenischer Gastfreundschaft in der hoffnungsvoll überfüllten Gethsemane-Kirche während des Berliner Ökumenischen Kirchentages zum Bekenntnis gegen die Trennung der christlichen Konfessionen.

Als Ökumenisches Netzwerk von unten das Trennende überwinden.

Heute versteht sich die IKvu als Ökumenisches Netzwerk - auf der gemeinsamen Basis, die die Befreiungstheologin Dorothee Sölle beim ökumenischen Gottesdienst in der Hamburger Gnadenkirche im Jahr 2000 so umschrieb:

 "Was uns ökumenisch gemeinsam ist - der Glaube an die gute Schöpfung Gottes, die Orientierung an den Benachteiligten, den Verlierern als den Lieblingskindern Gottes, die Nachfolge Christi in einer schwierigen und verwirrenden Welt, der Geist, der uns dabei hilft, all das ist unendlich viel mehr und gewichtiger als das, was im Verständnis von Bibel, Sakrament und Amt noch trennt. In der entstehenden Praxis des Glaubens und des Handelns war für uns die Trennung längst überwunden. Befreiende Theologie ist nicht nur katholisch oder protestantisch!"