zuletzt aktualisiert: 11.09.2008
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Initiative ChristInnenrechte in der Kirche (ICK)


Die Initiative Christenrechte in der Kirche führt die Arbeit des 1979 gegründeten Komitees Christenrechte in der Kirche weiter. Die Initiative versteht sich als ökumenische Bewegung von Christinnen und Christen aus den Großkirchen, wobei die römisch- katholische Kirche aus strukturellen Gründen stärkere Konfliktfelder beinhaltet und einen erheblichen Reformstau aufweist.

Demo gegen Bischof KrennWir stellen mit Bedauern fest, dass die "Berliner Erklärung zu den Christenrechten in der Kirche" vom Juni 1980, die anlässlich des ersten KatholikInnentags von unten am Beginn der ChristInnenrechtebewegung stand, auch nach über drei Jahren Pontifikat von Benedikt XVI heute nach wie vor aktuell ist, ja sogar an Dringlichkeit noch gewonnen hat.

Nicht ohne Stolz stellen wir jedoch auch fest, dass wir ChristenrechtlerInnen als "kleine radikale Minderheit" im Rahmen der Initiative Kirche von unten jahrelang Pionierarbeit geleistet haben für die jetzt durch die Kirchenvolksbewegung international als dringend erkannten Kirchenreformanliegen. Wir können unsere programmatische Berliner Erklärung zu den ChristInnenrechten aus dem Jahre 1980 zitieren, als wären sie heute formuliert:

"Die Christenrechte in der Kirche sind bedroht!

Jesus von Nazareth hat sich durch Wort und Leben für die Befreiung der Menschen, für die Gleichheit der Menschen ohne Ansehen der Person und für Menschlichkeit und Herrschaftsfreiheit in der Gestaltung der sozialen Beziehungen eingesetzt; gleichwohl haben die christlichen Kirchen im 18. und 19. Jahrhundert, ja bis in die Gegenwart hinein, die theoretische Begründung und politische Durchsetzung der Menschenrechte bekämpft.

Um so nachdrücklicher ist zu fordern, dass die Kirche sich mit den emanzipatorischen Bemühungen der Neuzeit kritisch und konstruktiv auseinandersetzt und die Verwirklichung der individuellen und sozialen Menschenrechte in ihren eigenen Reihen sicherstellt. Umso glaubwürdiger kann sie sich für die Verwirklichung der Menschenrechte in der Gesellschaft einsetzen.

Die Initiative Christenrechte in der Kirche versucht, aus dem Bewusstsein heraus, dass wir Kirche sind, die befreienden Impulse des Evangeliums für unsere Arbeit wirksam werden zu lassen. Im Laufe der Jahre hatte unsere Arbeit vor allem folgende Schwerpunkte: thematische Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Christenrechts-Fallarbeit in konkreten Konflikten, Mitgestaltung von KatholikInnentagen von unten und Beteiligung bei Kirchentagen sowie den Aufbau internationaler Netzwerke für Menschenrechte in der Kirche und Kirchenerneuerung.

Die "Fallarbeit"
ChristInnen aller Konfessionen geraten häufiger mit ihren Kirchen in Konflikt (insbesondere arbeitsrechtlich), als es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Wir mussten im Laufe der Jahre feststellen, dass sich hier die römisch-katholische Kirche besonders hervortut, was die Zahl der Konflikte, die Härte der Auseinandersetzung und die Rigidität ihrer "Lösungen" angeht. Als Ursachen hierfür sind u.a. zu benennen: ein monarchistisch-autoritärer, zentralistischer Kirchenleitungsstil in Verbindung mit einer repressiven überholten Sexualmoral und einem reformbedürftigen Kirchenrecht, nicht zuletzt jedoch unser geltendes Staatskirchenrecht mit seiner grundgesetzlich verankerten Sonderstellung der Kirchen und der fehlenden Trennung von Staat und Kirche.

Die meisten Konflikte haben strukturell bedingte Ursachen, betroffen sind jedoch immer einzelne Menschen.
Hier seien einige der häufigsten Problemfelder benannt:

Diesem Personenkreis galt die solidarische Christenrechtsarbeit schon in den frühen 80er Jahren, in der Zusammenarbeit mit der noch kleinen IKvu-Gruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und durch Unterstützung schwuler katholischer Priester und kirchlicher Mitarbeiter.

Demo Diakonat der FrauDie ChristInnenrechte-Arbeit mit den ungleich stärker tabuisierten lesbischen Frauen in den Kirchen begann als "Christenrechte-Tochter", genannt AK Lesben und Kirche "LuK" im Regionalkomitee Rhein-Main, von 1983 bis 1987 (Mitwirkung beim Frankfurter Kirchentag, bei Akademietagungen und einem Buchprojekt). Aus diesen Anfängen konnten sich ab 1986 eigenständige Lesben-Kirchen-Netzwerke entwickelten, gerade auch für kirchliche Mitarbeiterinnen. In ähnlicher Weise unterstützt die Initiative Christenrechte gut 10 Jahre danach das 1997 von katholischen Theologinnen und kirchlichen Mitarbeiterinnen in München gegründete Netzwerk Katholischer Lesben.

Der letzte spektakuläre Konfliktfall, in dem die Initiative Christenrechte aktiv wurde, betraf den Befreiungstheologen Pater Tissa Balasuriya OMI aus Sri Lanka, der von der Vatikanischen Glaubenskongregation wegen seines Buches "Maria und die menschliche Befreiung" exkommuniziert worden war. Wir konnten ihn 1997 gemeinsam mit der IKvu zu einer Vortrags- und Begegnungsveranstaltung in der Aula der Frankfurter Universität einladen. Zusammen mit den Solidaritätsaktionen und seinen Auftritten in anderen Ländern wie Belgien, Holland, England und den USA mag dies auch ein wenig dazu beigetragen haben, dass er inzwischen rehabilitiert wurde. Wir haben versucht den Kontakt zu Balasuriya halten, z.B. durch die Teilnahme an einer von Balasuriyas "Centre for Society and Religion" organisierten Konferenz asiatischer und afrikanischer Theologen. Aus vielerlei Gründen ist der Kontakt leider abgebrochen.

Die Initiative Christenrechte in der Kirche setzt ihre internationalen Aktivitäten fort, die bereits 1990 zur Gründung der "Europäischen Konferenz für Menschenrechte in der Kirche" beigetragen haben sowie 1991 zur Gründung des Europäischen Netzwerks "Kirche im Aufbruch". Unser Mitglied Oswald Stein war für die beiden Netzwerke Koordinator der Arbeit an einer demokratischen Verfassung für die römisch-katholische Kirche, die in enger Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen "Association for the Rights of Catholics in the Church" ausgearbeitet wurde. (veröffentlicht im IKvu-Rundbrief Juli 1999). Die Europäische Konferenz für Menschenrechte in der Kirche hat sich inzwischen als Arbeitsgruppe in das Europäische Netzwerk integriert. Das Europäische Netzwerk engagiert sich gemeinsam mit anderen beim Europarat akkreditierten Nichtregierungsorganisationen im "interkonviktionellen" Dialog, an dem neben jüdischen, muslimischen und christlichen Organisationen auch humanistische Vereinigungen beteiligt sind. (näheres dazu auf der Website http://www.european-catholic-people.eu in der Ausgabe 29 des Bulletins Euronews S. 34 ff - leider sind in den deutschen Ausgaben aus Mangel an ÜbersetzerInnen die meisten Texte französisch oder englisch). Seit Anfang 2008 ist auch das Europäische Netzwerk offiziell beim Europarat akkreditiert. Christenrechte-Geschäftsführer Gerd Wild ist gemeinsam mit Netzwerk-Geschäftsführer Francois Becker beauftragt, das Netzwerk in Straßburg zu vertreten. 

Die Mitglieder der Initiative Christenrechte in der Kirche sehen in der wachsenden internationalen Zusammenarbeit eine ermutigende Kraftquelle, ohne die sie vielleicht auch wie so viele andere jede Hoffnung auf eine Veränderung in der Kirche aufgegeben hätten.

Die Resignation und der damit verbundene Auszug vieler engagierter Gläubiger nicht nur aus der Kirche, sondern auch aus den reformorientierten Gruppen ist freilich auch an uns nicht spurlos vorübergegangen. Daher kommen wir oft nur noch dazu, über Geschehenes zu berichten, statt uns aktiv einmischen zu können. Auch neue thematische Veröffentlichungen zu erarbeiten, übersteigt ebenfalls unsere derzeitigen Kräfte. Es liegen aber eine Reihe älterer Veröffentlichungen vor, die dank der Unbeweglichkeit der Amtskirche zum großen Teil noch aktuell sind:

Seit der Gründung 1979 als Komitee Christenrechte in der Kirche erschienen 18 Rundbriefe, seit der Neugründung als Initiative Christenrechte in der Kirche 16 weitere, jetzt Christ/innen/rechte-Info genannt, mit jeweils ca. 84 Seiten und in einer Auflage von 500 Exemplaren. Das Info kann kostenlos bezogen werden.

Der „Initiative Christenrechte in der Kirche e.V.“ ist ein als gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein. Er finanziert seine Arbeit ausschließlich aus den Spenden der Info-BezieherInnen.

Die wenigen noch aktiven Mitglieder engagieren sich schwerpunktmäßig für die Schwangerenkonfliktberatung „in Trägerschaft katholischer Frauen und Männer“ des Frauenwürde Ortsvereins Eschborn e.V., die internationale Vernetzung im Rahmen des Europäischen Netzwerks Kirche im Aufbruch und die Gesellschaftskritik der Ordensleute für den Frieden, die ebenfalls Mitgliedsgruppe der IKvu sind.

Ansprechpartnerin: Dorothea Kemming-Nassabi, Wacholderweg 4, 65760 Eschborn